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Klimafreundliches Beleuchten: vom intelligenten Umgang mit Technologie

Lese­dau­er 5 Minu­ten

LED gilt als eine äußerst ener­gie­ef­fi­zi­en­te Metho­de, Licht zu erzeu­gen. Das Hechin­ger Unter­neh­men Lumi­tro­nix ist Spe­zia­list für LED-Lösun­gen. Von Ver­triebs­lei­ter Paul Spa­ren­borg woll­ten wir wis­sen, was die Tech­no­lo­gie sonst noch kann, wie man Stra­ßen­be­leuch­tung insek­ten­freund­li­cher aus­stat­tet und was er von EU-Richt­li­ni­en für die Beleuch­tungs­bran­che hält. 

Herr Spa­ren­borg, was genau macht Lumitronix?

Ver­triebs­lei­ter Paul Spa­ren­borg, Lumi­tro­nix, Hechingen

 Wir stel­len in Hechin­gen Licht­quel­len her, aus­schließ­lich auf LED-Basis. Mit der Anwen­dung an sich haben wir oft über­ra­schend wenig zu tun. Wenn wir Licht­quel­len bei­spiels­wei­se für die wei­ter­ver­ar­bei­ten­de Indus­trie pro­du­zie­ren, erhal­ten wir vom Auf­trag­ge­ber die tech­ni­schen Vor­ga­ben für die Eigen­schaf­ten der Licht­quel­len. Ob die Vor­ga­ben in der Pra­xis auch tat­säch­lich opti­mal sind, kön­nen wir lei­der nicht immer abschlie­ßend bewer­ten. Unse­re Pro­duk­te kom­men sehr unter­schied­lich zum Ein­satz: als Wohn­zim­mer­be­leuch­tung, Stra­ßen­be­leuch­tun­gen bis hin zu hoch­spe­zia­li­sier­ten Maschi­nen­be­leuch­tun­gen oder auch für medi­zi­ni­sche und the­ra­peu­ti­sche Anwendungen.

Die LED-Tech­nik soll äußerst strom­spa­rend sein.

LEDs sind als Tech­no­lo­gie im Ver­gleich zu ande­ren Metho­den, Licht zu erzeu­gen, opti­mal in ihrer Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Es wird dies­be­züg­lich tech­nisch in Zukunft auch kei­ne Quan­ten­sprün­ge mehr geben, denn die Effi­zi­enz, die mit LEDs erreicht wer­den kann, ist schon sehr nah am phy­si­ka­li­schen Maxi­mum. Nach­hal­tig­keit ist für uns daher weni­ger eine Fra­ge der Tech­no­lo­gie als viel­mehr eine Fra­ge des intel­li­gen­ten Umgangs mit die­ser Technologie.

Zum ande­ren kann die Lebens­dau­er von Licht­quel­len auf LED-Basis im regu­lä­ren prak­ti­schen Betrieb leicht zehn Jah­re und mehr betra­gen. Rein rech­ne­risch wären auch Zeit­räu­me von meh­re­ren Jahr­zehn­ten mög­lich. Wir haben nur noch kei­ne Erfah­rung über Jahr­zehn­te, um den prak­ti­schen Beweis anzutreten.

Dar­über hin­aus kön­nen wir mit LEDs mitt­ler­wei­le spek­tra­le Zusam­men­set­zung von prak­tisch belie­bi­ger Art erzeu­gen und so auch qua­li­ta­tiv für jeg­li­che Anwen­dung das opti­ma­le Spek­trum erzeu­gen und unge­wünsch­te nega­ti­ve Neben­ef­fek­te ver­mei­den. Soweit wir es an der Stel­le beein­flus­sen kön­nen, nut­zen wir ins­ge­samt eine sehr nach­hal­ti­ge Technologie.

Das Schwä­bi­sche Tag­blatt Tübin­gen schrieb vor eini­gen Wochen über die „Insek­ten­kil­ler Stra­ßen­lam­pen“. Unter ande­rem ging es dar­um, ob es aus „Insek­ten­sicht“ was bringt, Stra­ßen­be­leuch­tung auf LED umzu­stel­len. Das neue Natur­schutz­ge­setz jeden­falls ver­langt „insek­ten­freund­li­che Beleuchtung“.

Lumi­tro­nix, Hechingen

Wir ent­schei­den nicht dar­über, wel­che Art der Beleuch­tung wie auf der Stra­ße ver­wen­det wird. Wir stel­len die Licht­quel­le nach den Anfor­de­run­gen unse­rer Kun­den zur Ver­fü­gung. Dabei kön­nen wir sowohl Licht­quel­len lie­fern, die aus der elek­tri­schen Ener­gie die größt­mög­li­che Men­ge an Licht erzeu­gen. Wir kön­nen aber auch das Spek­trum so anpas­sen, dass ein sehr war­mes Licht (1800K) mit gerin­gen Blau­an­tei­len erzeugt wird. Wo der Schwer­punkt gesetzt wird, ist sehr unterschiedlich.

Zum Glück setzt sich mehr­heit­lich die Erkennt­nis durch, dass der rei­ne Ener­gie­ver­brauch zwar eine wich­ti­ge Eigen­schaft ist, aber nicht die ein­zig rele­van­te. Zum Bei­spiel ist gera­de bei Stra­ßen­lam­pen die Reduk­ti­on der Mast­hö­hen, also die Licht­quel­le näher an den Punkt zu brin­gen, wo das Licht gebraucht wird, und es auch genau dort­hin zu len­ken (Opti­ken), viel wich­ti­ger für die Effi­zi­enz eines Sys­tems als die plum­pe Betrach­tung der Effi­zi­enz der Licht­quel­le (Lumen/Watt). Auf die­se Art spart man nicht nur Ener­gie, Mate­ri­al und Res­sour­cen. Man redu­ziert auch die Men­ge an Licht, die ins­ge­samt gebraucht wird und ver­mei­det die damit ver­bun­de­nen nega­ti­ven Effek­te bezüg­lich Licht­ver­schmut­zung und Insektensterben.

EU-Richt­li­ni­en spie­len in Ihrem Geschäfts­feld eine gro­ße Rol­le. Ab Sep­tem­ber 2021 lie­fert Lumi­tro­nix aus­schließ­lich Pro­duk­te gemäß der neu­en EU Öko­de­sign Richt­li­nie. Sie umfasst unter ande­rem Anfor­de­run­gen zu Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Reparierbarkeit.

Es wird viel auf die Regu­lie­rungs­wut aus Brüs­sel geschimpft, sicher nicht immer zu Unrecht. Gera­de kom­ple­xe tech­ni­sche Zusam­men­hän­ge sind sehr schwer all­ge­mein­gül­tig in Regeln zu pres­sen, da bleibt zwangs­läu­fig vie­les auf der Strecke.

Auf der ande­ren Sei­te sind len­ken­de Kräf­te wich­tig, um für die Indus­trie einen recht­li­chen Rah­men und Ziel­vor­ga­ben zu schaf­fen, die ver­schie­de­ne, oft gegen­läu­fi­ge Inter­es­sen berück­sich­ti­gen und nach­hal­ti­ge Lösun­gen för­dern. Wir wis­sen doch auch, dass bei­spiels­wei­se der pri­va­te Anwen­der nicht immer pri­mär dar­an inter­es­siert ist, mög­lichst umwelt­scho­nen­de Pro­duk­te zu ver­wen­den. Regu­la­ri­en kön­nen dabei hel­fen, die umwelt­ge­rech­te Gestal­tung von Pro­duk­ten und deren Anwen­dung voranzubringen.

Als die Glüh­bir­ne abge­schafft wur­de, sorg­te das all­ge­mein für mäch­tig Ärger.

Das Licht einer LED-Lam­pe kann prä­zi­se dem einer Glüh­bir­ne ent­spre­chen, wenn man das will. In der Pra­xis ist die tech­ni­sche Umset­zung zwar anders, aber für den Anwen­der ist die­ser Unter­schied nicht wahr­nehm­bar. Vor­aus­ge­setzt, man ver­wen­det eine gute Licht­quel­le. Die Ener­gie­ein­spa­rung beträgt im Ver­gleich 60W Glüh­lam­pe/­LED-Lam­pe mit dem glei­chen Licht leicht um die 90 Pro­zent (6W LED). Die Her­stel­lung der LED-Lam­pe ist tech­nisch auf­wen­di­ger und ver­braucht mehr Res­sour­cen, die Lebens­dau­er kann aber leicht das 10-fache oder mehr betra­gen und den Her­stel­lungs­auf­wand so kom­pen­sie­ren. Da der Vor­teil so umfas­send ist, wur­den Glüh­lam­pen nicht umsonst bereits vor Jah­ren für die meis­ten Anwen­dun­gen verboten.

War­um war der Auf­schrei so groß, obwohl wir wis­sen, dass die Glüh­lam­pe im Ver­gleich etwa zu LED ein Strom­fres­ser ist?

Für den Ver­brau­cher sind die Vor- und Nach­tei­le der Tech­no­lo­gie schwer zu über­bli­cken, und ganz sicher hat jeder auch schon schlech­te Erfah­run­gen mit LEDs gemacht! Inso­fern ist eine gewis­se Skep­sis nur ver­ständ­lich. Ich kann auch ver­ste­hen, dass man dann auf die Regu­lie­rung schimpft. Es ist des­halb wich­tig, die Poten­zia­le sau­ber zu kom­mu­ni­zie­ren und auch zu sagen: Klar, man kann mit LEDs auch schlech­tes Licht machen! Die Tech­no­lo­gie selbst ist noch kein All­heil­mit­tel. Es kommt dar­auf an, sie sinn­voll anzuwenden.

In einem pri­va­ten Haus­halt kann mit LED-Tech­nik heu­te die Inves­ti­ti­on in der Regel bin­nen zwei bis drei Jah­ren durch die Strom­erspar­nis ein­ge­spielt wer­den. Wäh­rend LEDs als Licht­quel­le schon lan­ge in der Mas­se ange­kom­men ist, ste­hen für uns heu­te qua­li­ta­ti­ve Aspek­te stär­ker im Vor­der­grund. So erzeu­gen wir mit LEDs Licht­ef­fek­te, die frü­her tech­nisch nicht umsetz­bar waren: Ins­be­son­de­re die Anpas­sung der Hel­lig­keit, des Spek­trums und der Farb­tem­pe­ra­tur kommt eine immer stär­ke­re Bedeu­tung zu. Mit intel­li­gen­ten Sys­te­men kann so das Wohl­be­fin­den durch geziel­tes Unter­stüt­zen der bio­lo­gi­schen Funk­tio­nen nach­hal­tig ver­bes­sert wer­den. In die­sem Bereich liegt unse­re Stär­ke: Wir sind Vor­rei­ter bei der Ent­wick­lung neu­er Tech­no­lo­gien. 2018 haben wir einen Inno­va­ti­ons­preis erhal­ten. In der Zukunft liegt unser Fokus dar­auf, Licht­quel­len mit mehr Intel­li­genz aus­zu­stat­ten, um genau die­se Effek­te bes­ser nut­zen zu können.

Lumi­tro­nix ist auch in der For­schung aktiv. Wel­che Pro­jek­te sind das?

UVC-Modul zur Desinfektion

Seit eini­gen Jah­ren for­schen wir inten­siv im Bereich von UVC LEDs. Das hat in den letz­ten 18 Mona­ten wegen des gestie­ge­nen Bedarfs nach Des­in­fek­ti­ons­me­tho­den stark an Bedeu­tung gewon­nen. Wir koope­rie­ren in meh­re­ren For­schungs­pro­jek­ten mit dem Fraun­ho­fer Insti­tut und haben bereits ver­schie­de­ne Pro­duk­te zur Oberflächen‑, Luft- und Was­ser­ent­kei­mung in Serie gebracht. Hier wird sich in den kom­men­den Jah­ren eben­falls viel bewegen.

Wir wol­len nicht ver­ges­sen, zu fra­gen, wel­che Rol­le denn Nach­hal­tig­keit all­ge­mein im Unter­neh­men spielt.

Nach­hal­tig­keit ist ein so grund­le­gen­der Bestand­teil in unse­rer täg­li­chen Arbeit, dass wir offen gestan­den meist nichts Beson­de­res dar­in erken­nen. Wir nut­zen 100% Öko­strom, ver­mei­den Abfall wo es geht, und wo es nicht geht, tren­nen wir ihn und füh­ren ihn soweit mög­lich dem Recy­cling zu. Unse­re Fir­men­fahr­zeu­ge sind über­wie­gend rei­ne Elek­tro-Fahr­zeu­ge, Hybrid­fahr­zeu­ge und natür­lich auch zahl­rei­che Fahr­rä­der. Dar­über hin­aus haben wir uns dazu ver­pflich­tet, kei­ne gesund­heits- und umwelt­ge­fähr­den­den Bestand­tei­le und Sub­stan­zen in unse­ren Pro­duk­ten zu verwenden.

Ob wir ins­ge­samt CO2 neu­tral sind… kann ich Ihnen lei­der gar nicht sagen, denn alle die­se Din­ge pas­sie­ren mit einer Selbst­ver­ständ­lich­keit, die kei­ne beson­de­re Auf­merk­sam­keit nach sich zieht. Es ist mir schon fast pein­lich, die­se Punk­te über­haupt so her­vor­ge­ho­ben auf­zu­zäh­len, da Sie doch alle­samt selbst­ver­ständ­lich sind?!


Zu guter Letzt unser neckar-alb.blog-Fragebogen an Paul Sparenborg:

Wel­ches Auto fah­ren Sie?
Nis­san Leaf

Wie ist Ihr Haus beleuch­tet?
Natür­lich 100% LED, vie­les passt sich auto­ma­tisch an die Umge­bungs­be­din­gun­gen an. Schal­ter brau­che ich aber trotz­dem wie jeder!

Wel­che klei­ne Bio­sün­de gön­nen Sie sich?
In den Urlaub geht es manch­mal mit dem Flugzeug.

Wie sieht die Welt von mor­gen aus? 
Da wage ich kei­ne Prognose …

Elke Schwar­zer

Fotos: Lumi­tro­nix

Lumi­tro­nix LED-Tech­nik GmbH
Bran­che: Spe­zia­list für LED-Licht­lö­sun­gen
Fir­men­sitz: Hechin­gen
Fir­men­grün­dung: 2005
Beschäf­tig­te: 70
Umsatz: 12,5 Mio. Euro (bei 3.000 Firmenkunden)

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